Kunjal Kriya

Кунджал крийя

Der moderne Mensch mit seiner eingeschränkten gesunden körperlichen Aktivität und Zugang zu frischer Luft sowie uneingeschränkten ungesunder Ernährung sollte sich nicht wundern, dass Asthma, chronischer Schnupfen, Allergien, allgemeine Schlappheit, mangelndes inneres Feuer und Anfälligkeit für ständig wiederkehrende Erkältungen zu seinem Alltag geworden sind. Mit der Ankunft von kaltem Wetter verschlimmert sich die Lage, und keines der in der Schulmedizin bekannten Medikamente bietet langfristige Linderung, geschweige denn eine vollständige Beseitigung all dieser Probleme.

Kunjal Kriya, auch als Vaman Dhauti oder Gaja Karma bekannt, ist eine der effektivsten yogischen Techniken, um den Körper in erster Linie von überschüssigem Schleim zu reinigen, obwohl seine Wirkung wesentlich tiefer geht und viel subtilere Schichten des menschliches Wesen beeinflusst.

Es ist kaum möglich, diese Prozedere zu überschätzen, da die regelmäßige Anwendung den Menschen im Gegensatz zu verschiedenen Medikamenten tatsächlich von den oben genannten Problemen befreit. Dies liegt an der Tatsache, dass Medikamente meistens nicht darauf abzielen, den menschlichen Körper vom Schleim zu befreien, sondern auf etwas anderes, das mit der Ursache des Ungleichgewichts verwechselt wird.

Beispielsweise zielen Antibiotika, die in der modernen Medizin so häufig zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt werden, darauf ab, schädliche Bakterien zu zerstören. Gleichzeitig werden auch andere für den Körper nützliche Bakterien abgetötet, wodurch viele negative Nebenwirkungen auf die Gesundheit entstehen. Kunjal Kriya hingegen eliminiert das Nährmileue, in dem sich überwiegend pathogene Bakterien vermehren.

Vergleichen wir zum Beispiel eine Antibiotikabehandlung mit einer Methode, Ungeziefer im Haus loszuwerden, dann sind sie wie Gift, das nicht nur Schädlinge, sondern auch andere für den Menschen nützliche kleine Wesen tötet, oder sogar ihn selbst vergiften kann. Kunjal Kriya arbeitet anders — es reinigt das Haus von Müll, welchen weder Menschen noch andere nützliche Haustiere essen. Infolgedessen leben Ungeziefer einfach nicht mehr in diesem Haus, da sie dort nichts zu essen haben.

Mit Schlacken gefüllter Schleim — unverdaute Speisereste — ist nicht nur ein Nährboden für schädliche Parasiten, er vergiftet den gesamten Körper, macht ihn bis zu dem einen oder anderen Grad unrein, schwer und träge und verursacht alle oben genannten Ungleichgewichte. Die Befreiung von dieser Art von Schleim befreit den Menschen gleichzeitig von allen diesen Problemen, ohne negative Nebenwirkungen zu haben.

Wie wird es gemacht?

Grundsätzlich ist die Vorgehensweise sehr einfach:

  1. Man trinkt morgens auf nüchternen Magen 2,5 Liter warmes abgekochtes oder gefiltertes Salzwasser (1 nicht gehäuftes Esslöffel Salz) und erbricht dann alles sofort rückstandsfrei zurück. Man soll den Druck weiter üben und die Reste aus dem Körper entfernen bis nicht nur der Ausstoß von Wasser aufhört, sondern auch von darauffolgenden Schleim.
  2. Nachdem der Ausstoß der Flüssigkeit zu Ende ist, macht man eine yogische Übung die Makarasana genannt wird: man legt sich auf den Bauch, das Kinn durch die in Ellbogen gebeugte Arme gestützt, die Ellbogen zusammen am Boden, die Beine ebenfalls zusammen und bis auf die Zehenspitzen gestreckt. Man biegt zuerst das rechte Bein am Knie und bringt die Ferse zum Gesäß mit einer ruckartigen Bewegung, danach legt man es wieder am Boden und wiederholt dies 10 Mal dynamisch. Dann das gleiche mit dem linken Fuß, dann beide abwechselnd, am Ende beide gleichzeitig. Anschließend legt man den Kopf auf den Boden ab, die Stirn auf den Händen die übereinander gefaltet sind, die rechte Hand oben, die Handflächen nach unten. Man entspannt sich, indem man 21 tiefe Atemzüge zählt.
  3. Nach der Asana versucht man mehrmals erneut das Erbrechen hervorzurufen, bis der Magen und die Atemwege vollständig geleert sind.
Кунджал крийя
Makarasana, © Bihar School of Yoga

Die Vorgehensweise ist einfach, aber die langfristige Praxis zeigt, dass ein moderner westlicher Mensch trotz der scheinbaren Einfachheit viele Fragen physiologischer und vor allem psychologischer Natur hat. Ich werde versuchen, die wichtigsten zu beantworten und mögliche Vorurteile und Zweifel abzubauen.

Häufig gestellte Fragen

Kann man überhaupt so viel Flüssigkeit trinken?

Ja, ohne Zweifel! Sogar eine Frau kann dies tun, umso mehr sollte ein Mann dazu in der Lage sein. Man muss nur schnell genug trinken, ohne anzuhalten, und es ist besser alles auf einmal aus einem Topf und nicht aus einem Glas. Wenn man in Schlucken trinkt und mehr oder weniger lange Pausen einlegt, um “sich zusammen zu reissen”, findet das Salzwasser schnell einen Ausweg durch den Darm, so dass man einige Zeit zu Hause verbringen muss, ohne sich zu weit von der Toilette zu entfernen. Dies schadet nicht, aber die beschriebene Technik wirkt für ihren ursprünglichen Zweck besser.

Man könnte sich leicht einreden, dass der Magen nach ein paar Gläsern Wasser bereits voll ist. Das ist nicht so. Das Wasservolumen sollte nicht verringert werden. Die Wirksamkeit des Verfahrens hängt stark von der Menge der Flüssigkeit ab, die man trinkt. Das ist auch eine gute Übung für die Willenskraft und die Fähigkeit die Kontrolle über den Körper zu behalten. Die Unterwerfung von automatischen instinktiven Reaktionen wie Blinzeln oder Erbrechen dem eigenen Willen ist eine der stärksten Yoga-Praktiken.

Welche Temperatur soll das Wasser haben?

Nicht unter der Körpertemperatur, die Obergrenze nach eigenem Ermessen. Falls man eine akute Erkältung hat ist es besser, das Wasser wärmer zu nehmen. Zu heißes Wasser kann man sowieso nicht trinken, da eine große Menge Wasser im Magen zu einer spürbaren Erwärmung des Körpers führt, was man nur schwerlich ertragen kann. Ebenso sollte das Wasser nicht kalt sein, um den Körper nicht abzukühlen.

Ist das nicht ekelhaft?

Nein. Kunjal macht man morgens auf nüchternen Magen. Wenn man eine vernünftige Diät einhält und nicht spät abends isst, ist der Magen in der früh völlig leer. Das Wasser, das hochkommt, bleibt gewöhnliches sauberes und geruchloses Salzwasser. Es wird keinen Ekel geben, der gewöhnlich mit Erbrechen assoziiert wird. Aus dem gleichen Grund wird empfohlen, den Vorgang über dem Waschbecken im Badezimmer oder in der Küche und nicht auf der Toilette durchzuführen.

Gibt es Kontraindikationen?

Nein. Das einzige Kontraindikation ist ein akutes Herzproblem. Das größte Hindernis ist jedoch die Angst und innerer Widerstand. Sie müssen überwunden werden und mit ihnen auch die Warnungen von besorgten Familienmitglieder und Ärzten.

Kann man sich selber schaden?

Nein. Selbst wenn man im Wasser kleine Spuren von Blut oder Galle merkt, ist dies kein Grund zur Sorge. Diese Prozedere ist nicht die Ursache für diese Erscheinungen, sie deckt nur Schwächen im Körper auf und hilft, ihn zu reinigen und zu stärken. Dank Kunjal kommen sie dann zukünftig nicht mehr vor.

Kann einem nach dieser Prozedere schlecht werden? Kann sie schmerzhaft sein?

Ein Anfänger der noch nicht sicher ist kann beim Trinken von Wasser leichte Schmerzen im Magen oder in der Speiseröhre spüren. Dies ist einfach auf den Krampf vor Angst zurückzuführen. In diesem Fall reicht es aus, ein paar Atemzüge zu machen, um sich ein wenig zu beruhigen, und dann den Vorgang vertrauensvoll fortzusetzen.

Was ist, wenn ich kein Erbrechen auslösen kann?

Um das Wasser aus dem Magen leichter zu entfernen, lehnt man sich nach vorne, so dass der Körper praktisch waagerecht ist. Weiters sollte man versuchen sich zu entspannen, die Nervosität zu beruhigen und keinen Krampf zu bekommen. Dies erleichtert den freien Wasserfluss.

Erbrechen ist eine natürliche Entgiftungsreaktion des Körpers. Nur psychische “Krämpfe” und Vorurteile können sie behindern. Man kann sich selbst helfen, indem man den Rachen mit den Fingern kitzelt, den Zungenrücken drückt und die Bauchmuskeln wie eine Pumpe zusammenzieht. Falls am Anfang Schwierigkeiten auftreten, ist dies kein Grund, das Verfahren abzubrechen. Man soll mit der Übung einfach fortfahren, und wird bald feststellen, dass es jedes Mal einfacher und schneller gelingt.

Wie oft kann die Prozedere durchgeführt werden?

Für einen durchschnittlichen Stadtbewohner wäre es empfehlenswert diese Reinigung lebenslang mindestens zweimal pro Woche durchzuführen. Bei akuten Problemen — Asthma, wiederkehrende Erkältungen, Allergien — sollte man einen kontinuierlichen Zyklus von 21 Tagen durchlaufen und dann zum üblichen Rhythmus zurückkehren.

Wann kann man danach wieder essen?

Für den Magen genügen zwanzig bis dreißig Minuten, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, wonach man wieder essen kann. Übrigens wird man ziemlich schnell feststellen, dass man mit der Zeit anfängt leichtere und gesündere Lebensmittel zu bevorzugen, und das Volumen reduziert sich ebenfalls auf natürliche Weise.

Welche andere positive physiologische Wirkungen gibt es?

  • Kunjal Kriya hilft nicht nur, Erkältungen schneller zu bewältigen, dies ist auch die effektivste Behandlung für eine Lungenentzündung. Durch ihre regelmäßige Anwendung kann man diese Erkrankungen fast vollständig vermeiden.
  • Die Vorgehensweise entfernt überschüssige Säure aus dem Magen und hilft auch bei übermäßiger Gallenproduktion, Vergiftung und Kopfschmerzen.
  • Kunjal Kriya bringt eine enorme Linderung von Bronchitis und Asthma: es erleichtert das Atmen sofort und kann langfristig Asthma vollständig beseitigen.

Effekte auf subtilerer Ebene

Kunjal Kriya hat auch weniger direkte und manifestierte Effekte und Resultate, die umso interessanter sind. Normalerweise lähmen drei körperliche Prozesse Gehirn und Geist für einen Augenblick vollständig und lassen einen Menschen in einem Zustand zurück, welcher der Meditation ähnelt — der Orgasmus, das Niesen und das Erbrechen. Wenn man an die eigene Erfahrung zurückdenkt, stellt man fest, dass man in solchen Momenten einen Energieschub durch den Körper und Geist verspürt hat, der alle Gedanken und Handlungen stoppt.

Mit Kunjal Kriya könnte man die Kontrolle über einen dieser drei Prozesse erlangen und ihn bewusst in eigenen Dienst stellen. Auf der energetischen Ebene gibt es Kraft und Frische, “löst die Knoten” und beseitigt Blockaden. Auf der mentalen Ebene hilft es, Depressionen, Apathie, Anspannung, Erregung, Neurosen und Phobien zu lindern. Das Verfahren trägt zum Ausgleich aller Systeme und Körperschichten bei, wirkt sich auch positiv auf das Ego aus und hilft sogar beim schrittweisen Abbau des Egoismus.

Was dann?

Wenn man das Verfahren regelmäßig durchführt, wird man feststellen, dass mit der Zeit der Körper sich nicht nur damit abfindet und dem bewussten Willen unterwirft, sondern sich auch sehr an diese reinigende Wirkung gewöhnt. Sollte dann die Prozedere mal nicht gemacht werden, fühlt sich dann der Körper als unrein an und man strebt danach, zum gewöhnlich gewordenen Rhythmus zurückzukehren. Kunjal Kriya wird zu einem regelmäßigen, einfachen und selbstverständlichen Verfahren, ähnlich dem Zähneputzen.

Kunjal Kriya sollte mit dem anschließenden Jala Neti, dem yogischen Verfahren für die Nasenreinigung, kombiniert werden. Darüber — in der nächsten Publikation.

Illustration: pixabay.com / Eak K.

Мария Титце

Помощник Олега Бокачёва, куратор медиа-проектов Института LiveDevice, Вечное и Настоящее, EXIT Portal.

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